Future Cravings – Krone richten, weiterfliegen.
Ich fahre über die Autobahn, irgendwo zwischen Brandenburg, Magdeburg und dem Fläming, ziemlich genau 120 km/h, weil mein Auto ausgerechnet an diesem Tag beschlossen hat, mir etwas über meinen Reifendruck mitzuteilen und ich finde, man muss das Universum nicht unnötig herausfordern.
In meinem Kopf dagegen herrscht deutlich mehr Geschwindigkeit. Familie, Kochduell, Arbeit, irgendetwas, das ich noch erledigen wollte, irgendetwas, das ich schon längst hätte erledigen sollen und natürlich die Frage, wann ich eigentlich mal wieder ein paar Tage faste, weil ich mich nach diesem Gefühl sehne, das ich danach immer habe: leichter, klarer, irgendwie wieder ein bisschen mehr Tina.
Während ich also körperlich auf der Autobahn unterwegs bin und gedanklich bereits mein halbes Leben neu sortiere, läuft über Spotify ein Song.
Future Cravings.
Zum sechsten Mal. Vielleicht auch schon zum zehnten. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen.
Und ich singe mit. Laut. Sehr laut. So laut, dass die Menschen im Auto neben mir vermutlich kurz überlegen, ob das noch gute Laune ist oder bereits ein medizinischer Zwischenfall.
Das eigentlich Freche daran ist, dass da eine junge Frau singt, die altersmäßig locker meine Tochter sein könnte, und dabei ziemlich präzise meine vergangenen Wochen beschreibt. Dieses immer ein bisschen mehr Wollen, alles richtig machen, 110 Prozent geben, noch eine Idee haben, noch etwas schaffen, noch kurz hier helfen und da etwas erledigen – und während man eigentlich gerade irgendwo angekommen ist, hat der Kopf längst das nächste Ziel ins Navi eingegeben.
Future Cravings.
Was für ein genialer Begriff eigentlich.
Und während ich mitsinge, muss ich irgendwann lachen, denn ganz ehrlich: Die vergangenen Wochen waren wild. Ich war ziemlich im Tunnel, habe gemacht, organisiert, gekocht, gearbeitet, gedacht und funktioniert und dabei mich selbst und meine Umwelt ein bisschen aus den Augen verloren.
Kann passieren.
Mein Körper hat es übrigens offensichtlich etwas früher bemerkt als ich und mir zur Sicherheit sechs Kilo als kleine Erinnerung dagelassen.
Ich bin nämlich Stressesserin. Es gibt Menschen, die bei Stress keinen Hunger haben. Ich finde diese Menschen faszinierend und würde wirklich gerne einmal eine Dokumentation über sie sehen. Bei mir funktioniert das anders. Mein Körper scheint in herausfordernden Zeiten eher zu denken: Wir wissen nicht genau, was hier los ist, aber vorsichtshalber sollten wir etwas essen.
Und ich bin außerdem fest davon überzeugt, dass Kalorien, die man unter Stress zu sich nimmt, eine besondere Oberflächenstruktur besitzen. Die kletten sich nämlich fest wie früher diese Disteln an den selbstgestrickten Röcken meiner Großmutter, wenn wir wieder irgendwo durch den Wald gestreift waren.
Kennt ihr diese Dinger noch?
Man kam nach Hause, schaute an sich herunter und hatte gefühlt die halbe Flora Brandenburgs am Rock hängen. Und damals hatte niemand Future Cravings. Man setzte sich hin, pulte die Disteln ab, stach sich dabei selbstverständlich mindestens einmal in den Finger, sagte vielleicht etwas, das Oma besser nicht hören sollte, und ging weiter.
Vielleicht war das eigentlich ziemlich schlau.
Denn diese sechs Kilo haben mir weniger etwas über mein Essen erzählt als darüber, wie weit ich gerade von mir selbst entfernt war. Und das Schöne ist: Als ich da in meinem Auto saß, irgendwo zwischen Brandenburg, Magdeburg und dem Fläming, Future Cravings zum sechsten Mal lauthals mitsang und mein Auto weiterhin der Meinung war, dass wir dringend über den Reifendruck sprechen sollten, konnte ich mich plötzlich für einen Moment wie von außen sehen.
Diese Frau im Auto, die seit Wochen versucht, 110 Prozent zu geben, die Dinge gut machen möchte, für andere da sein möchte, ihre Arbeit liebt, ihre Familie liebt, ihre Projekte liebt und dabei offenbar kurz vergessen hatte, dass sie sich selbst vielleicht ebenfalls auf die Liste der Menschen schreiben sollte, um die sie sich kümmert.
Und mein erster Gedanke war gar nicht: Oh Gott, Tina, was hast du da gemacht?
Ich dachte eher:
Ach guck. Da bist du ja wieder.
Und genau dieses Gefühl fand ich plötzlich richtig schön.
Denn vielleicht müssen wir gar nicht jedes Mal ein riesiges Drama daraus machen, wenn wir uns zwischendurch ein bisschen aus den Augen verlieren. Wir sind Menschen. Wir biegen falsch ab, essen Dinge, von denen wir ziemlich genau wissen, dass sie uns nicht besonders guttun, bewegen uns mal zu wenig, schlafen zu kurz, trinken zu wenig Wasser, sagen Ja, obwohl wir eigentlich Nein meinen, und irgendwann entwickelt unsere Lieblingsjeans eine ausgesprochen klare Meinung zu den vergangenen Wochen.
Na und?
Dann war es eben eine wilde Zeit.
Disteln abmachen, Krone richten und weiter.
Wir sind Superwomen. Logisch. Aber vielleicht besteht Superwoman-Sein gar nicht darin, mit wehendem Cape zwölf Dinge gleichzeitig zu erledigen und dabei selbstverständlich noch seine zwei Liter Wasser zu trinken. Vielleicht darf auch Superwoman zwischendurch kurz rechts ranfahren, das Lied leiser drehen, gucken, wo sie eigentlich gerade ist, und sich sogar ein bisschen darüber freuen, dass sie es überhaupt bemerkt hat.
Und danach darf sie Future Cravings natürlich wieder auf Repeat stellen.
Während ich weiterfuhr, musste ich nämlich an etwas denken, das Oli mir vor langer Zeit über unser doTERRA-Business gesagt hat.
Er hat Erfolg einmal mit einem Flugzeug verglichen, und dieses Bild ist bei mir hängen geblieben.
Ein erfolgreiches Business funktioniert nicht wie ein Düsenjet, der mit unfassbarer Geschwindigkeit losschießt, seine gesamte Energie verbraucht und anschließend lautstark abbremsen muss. Aber eben auch nicht mit ständigem Starten und Landen, Starten und Landen.
Ein Flugzeug startet, gewinnt an Höhe und dann tut es ziemlich lange einfach das, wofür es gemacht wurde: Es fliegt. Mal ein bisschen höher, mal etwas tiefer, vielleicht gibt es Turbulenzen und vielleicht muss die Route ein Stück angepasst werden. Aber es bleibt in Bewegung und behält sein Ziel im Blick. Irgendwann landet es sanft, wird aufgetankt, neue Menschen steigen ein und nach einer Weile geht es wieder los.
Ich finde dieses Bild inzwischen nicht nur fürs Business ziemlich genial, sondern auch für mein Leben.
Vielleicht ist das für mich überhaupt die schönste Definition von Lifestyle: Dass die Dinge, die einem guttun, irgendwann nicht mehr wie ein Projekt wirken. Niemand schreibt schließlich morgens voller Stolz auf seine To-do-Liste: Zähne putzen – erledigt! Man macht es einfach, weil es zum Leben gehört.
Und genauso wünsche ich mir meine anderen Routinen auch. Mal gelingt davon in einer Woche mehr, mal weniger. Manchmal fliege ich ein bisschen höher, manchmal tiefer und manchmal esse ich offensichtlich genügend Stresskalorien, um sechs zusätzliche Kilo mit an Bord zu nehmen. Aber deshalb muss ich doch nicht jedes Mal das ganze Flugzeug wechseln.
Ich darf einfach nachjustieren.
Und vielleicht ist genau das inzwischen meine Vorstellung von einem gesunden Lifestyle. Nicht darauf zu warten, bis irgendetwas zwickt und dann schnell eine Tablette einzuwerfen, sondern mich jeden Tag ein bisschen um mich zu kümmern und vor allem gut genug hinzuhören, um zu merken, wenn etwas gerade nicht mehr passt. Essen, von dem ich weiß, dass es mir Energie gibt. Bewegung, weil mein Kopf danach anders funktioniert. Routinen, die Sinn für mich machen. Menschen um mich herum, nach deren Gesellschaft ich mich voller und nicht leerer fühle. Weniger People Pleasing. Und auch nicht ständig Entschuldigungen für Dinge aussprechen, die ich gar nicht getan habe oder für die ich mich eigentlich überhaupt nicht entschuldigen muss.
Ich möchte inspirieren. Mit richtig gutem Essen, mit Gerichten, bei denen gesund nicht bedeutet, dass man anschließend heimlich noch eine Pizza bestellen möchte. Mit einem Lifestyle, der Gesundheit nicht komplizierter macht, sondern selbstverständlicher. Und mit der vielleicht etwas unspektakulären Erkenntnis, dass wir nicht jeden Montag eine komplett neue Version von uns selbst brauchen.
Manchmal reicht es völlig, wieder ein bisschen näher an die alte heranzurücken.
Die sechs Kilo dürfen übrigens trotzdem gerne wieder gehen. Wir hatten eine intensive gemeinsame Zeit, aber ich sehe für diese Beziehung langfristig wirklich keine Zukunft. Nur werde ich sie diesmal nicht mit 110 Prozent bekämpfen und auch nicht versuchen, innerhalb kürzester Zeit irgendetwas „wiedergutzumachen“. Ich werde einfach wieder mehr von dem tun, von dem ich längst weiß, dass es zu mir gehört: so essen, wie ich es liebe, fasten, wenn es für mich passt, mich bewegen, meine Routinen leben, viel kochen und ziemlich genau darauf achten, welche Dinge und welche Menschen mir Energie geben.
Denn vielleicht ist genau das mein eigentliches Future Craving:
gar keine neue Tina zu werden.
Und als irgendwann Magdeburg hinter mir lag, mein Auto noch immer der Meinung war, dass wir über den Reifendruck sprechen sollten und Future Cravings vermutlich zum achten Mal lief, musste ich wieder an diese Disteln an Omas selbstgestricktem Rock denken.
Vielleicht haben wir das früher tatsächlich ziemlich gut gemacht. Wenn nach einem Tag im Wald überall diese kleinen Dinger an uns hingen, hat niemand beschlossen, ab Montag grundsätzlich nicht mehr in den Wald zu gehen. Wir haben uns hingesetzt, die Disteln abgepult, uns dabei wahrscheinlich einmal in den Finger gestochen und sind danach einfach weitergelaufen.
Vielleicht darf es heute manchmal genauso einfach sein.
Nicht jede falsche Abzweigung braucht einen neuen Lebensplan und nicht jede wilde Woche ein neues Optimierungsprojekt. Manchmal bemerkt man einfach, dass man sich selbst kurz ein bisschen aus den Augen verloren hat, lächelt über sich, korrigiert den Kurs und fliegt weiter.
Mal etwas höher, mal etwas tiefer, vielleicht mit einem kleinen Umweg und in meinem Fall ganz offensichtlich nicht immer mit perfektem Reifendruck.
Aber das Ziel wieder im Blick.
Und während ich da saß, das Lied noch einmal von vorne begann und die Autobahn langsam vertrauter wurde, dachte ich eigentlich nur:
Ach, da bin ich ja wieder.
Krone richten.
Future Cravings auf Repeat.
Und weiterfliegen.
Zusammen ein neuer Lifestyle
Und vielleicht ist genau dafür eine geniale Community so wichtig. Menschen, die nicht erwarten, dass alles perfekt läuft, sondern sagen: Komm, wir machen das zusammen.
Genau daraus ist etwas entstanden, das gerade perfekter nicht passen könnte:
Drei Wochen BODY · MIND · SOUL. 🌿
Keine drei Wochen Selbstoptimierung, sondern gutes Essen, Routinen, Bewegung, natürliche Unterstützung und vor allem: gemeinsam wieder mehr bei sich ankommen.
Das Verrückte? Es ist gerade genau das, was ich selbst brauche. Und deshalb freue ich mich umso mehr, es mit euch zu teilen.
Mein Easy-Abendessen dieser Woche
Und weil wir gerade bei den Dingen sind, die uns guttun: Dieses Essen hat mich diese Woche mehrfach gerettet. Schnell gemacht, frisch, sättigend, aber nicht so schwer, dass ich abends mit einem halben Restaurant im Bauch ins Bett gehe.
Rucola-Quinoa-Salat mit Ziegenkäse
Für 1 große Portion:
2 Handvoll Rucola
ca. 100–120 g gekochte Quinoa
1 kleine gekochte Rote Bete, gewürfelt
2 kleine Ziegenkäsetaler
1 EL Kürbiskerne
etwas Olivenöl
Zitronensaft
Salz & Pfeffer
Quinoa kochen, Rucola und Rote Bete dazugeben und alles mit Olivenöl, ordentlich Zitrone, Salz und Pfeffer vermengen. Ziegenkäse kurz warm machen oder direkt darübergeben, Kürbiskerne drauf – fertig.
Genau mein Essen: wenig Aufwand, richtig lecker, angenehm sättigend und perfekt für einen unkomplizierten Abend.
„Future Cravings sind wunderbar. Solange wir vor lauter Morgen nicht vergessen, heute unsere Krone zu tragen.“