Vielleicht bin ich gerade einfach eine Raupe.

Ich liege mitten am Tag in meinem Bett im Harz, draußen sieht es langsam nach Herbst aus, meine Augen sind schwer und ich hatte einen ziemlich erwachsenen Plan:
zwanzig Minuten Powernap.

Stattdessen telefoniere ich mit meiner Freundin über Männer.

Natürlich.

Es gibt vermutlich keinen zuverlässigeren Weg, einen Powernap zu verhindern, als mit einer guten Freundin den Satz zu beginnen: „Sag mal, ist das bei euch eigentlich auch so …?“

Wir sprachen über Beziehungen. Darüber, wie erstaunlich kompliziert es manchmal sein kann, mit dem Menschen, den man liebt und mit dem man seit Jahren Tisch, Bett, Kühlschrank und die Frage „Was wollen wir heute essen?“ teilt, einen echten Deep Talk zu führen.

Eigentlich absurd.

Mein Mann kennt mich in Zuständen, in denen ich mich nicht einmal selbst gerne kennenlernen würde. Er weiß, wie ich morgens aussehe, kennt meine Meinung zu falsch eingeräumten Spülmaschinen und hat vermutlich Dinge über meine Verdauung gehört, die in keiner Hochzeitsrede erwähnt wurden.

Aber dann sitzt man manchmal voreinander und denkt: Wie erkläre ich diesem Menschen jetzt eigentlich, was gerade in mir los ist?

Und meine Freundin erzählte mir von einer Raupe.

Sie sagte sinngemäß: Wir alle lieben Schmetterlinge. Wir sehen einen und finden ihn wunderschön. Leicht. Frei. Bunt. Ein kleines fliegendes Pinterest-Board.

Bei Raupen ist die Begeisterung überschaubarer.

Niemand steht beim Sonntagsspaziergang plötzlich vollkommen ergriffen vor einem Blatt und flüstert: „Mein Gott, Dieter. Schau dir diese Raupe an.“

Dabei ist sie doch nicht weniger wertvoll.

Sie ist nur noch nicht fertig.

Oder vielleicht ist „noch nicht fertig“ sogar falsch.

Vielleicht ist sie genau richtig für den Moment, in dem sie gerade steckt.

Und während meine Freundin das erzählte, dachte ich:

Scheiße. Ich bin gerade eine Raupe.

Mir wachsen keine zusätzlichen Beine und ich habe auch nicht vor, sämtliche Blätter im Harz aufzuessen.

Aber ich merke gerade, dass ich mich ein bisschen zurückziehe. Dass ich gerne zu Hause bin. Dass ich mehr bei mir sein möchte. Dass ich nicht auf jede Frage sofort eine Antwort habe und momentan an ein paar Stellen meines Lebens merke: Da bewegt sich etwas.

Auch in meiner Ehe.

Vier Jahre verheiratet und offensichtlich ist eine Ehe leider kein Möbelstück, das man einmal ordentlich zusammenschraubt und dann für die nächsten 40 Jahre nur noch gelegentlich abstaubt.

Schade eigentlich.

Wir merken gerade, an welchen Stellschrauben wir drehen können. Wir reden viel. Wir schauen hin. Und das finde ich richtig gut.

Aber es ist eben auch Arbeit.

Und vielleicht darf man das einfach einmal sagen, ohne daraus sofort eine Krise, Transformation oder „neue Ära“ zu machen.

Überhaupt habe ich momentan das Gefühl, dass wir allem unbedingt einen Namen geben müssen.

Zwischenphase.

Transformation.

Midlife-Crisis.

Healing.

Loslassen.

Loslassen!

Ich kann dieses Wort langsam nicht mehr hören.

Du musst loslassen.

Lass deine Erwartungen los.

Lass alte Muster los.

Lass Menschen los.

Lass Kontrolle los.

Ganz ehrlich: Manche Sachen möchte ich überhaupt nicht loslassen.

Ich möchte schöne Abende festhalten. Ich möchte meine echten Freundschaften festhalten. Ich möchte meinen Mann festhalten. Ich möchte Erinnerungen festhalten und manchmal möchte ich sogar meine Kontrolle ein kleines bisschen festhalten, weil sie mir ausgesprochen gut gefällt.

Vielleicht muss ich nicht ständig alles loslassen.

Vielleicht darf ich manches einfach nur ein bisschen lockerer halten.

Und genau in dieser Phase höre ich natürlich wieder ein Lied rauf und runter, das von einem Menschen stammt, der ungefähr halb so alt ist wie ich.

Das scheint momentan mein neues Hobby zu sein.

Vielleicht versucht mein Unterbewusstsein auf diese Weise, die 40 davon abzuhalten, noch lauter an meine Tür zu klopfen.

Das Lied handelt genau von diesem Dazwischen. Nicht mehr ganz dort zu sein, wo man war, aber auch noch nicht genau zu wissen, was als Nächstes kommt. Zwischen dem, was man sollte, und dem, was man eigentlich möchte.

Und vielleicht ist das gar kein schlechter Ort.

Vielleicht ist dieses Dazwischen sogar ziemlich spannend.

Vielleicht bist du gerade Raupe. Vielleicht ein bisschen Kokon. Vielleicht manchmal schon Schmetterling. Vielleicht musst du das überhaupt nicht wissen.

Du darfst gleichzeitig an deiner Ehe arbeiten, Gastgeberin sein, neue Ideen haben, dich zurückziehen wollen, über die 40 nachdenken, gesund essen, Wein trinken, mit deiner Freundin über Männer reden und mittags im Harz im Bett liegen und eigentlich schlafen wollen.

Das muss keinen Namen haben.

Und vielleicht ist genau das die Ironie daran, dass ich gleichzeitig gerade einem anderen Gedanken unbedingt einen Namen geben möchte:

Ganzheitlicher Genuss.

Nicht als Ernährungskonzept. Nicht als nächste Methode, die mir erklärt, wie ich mein Leben noch ein bisschen besser, gesünder oder effizienter führen könnte.

Sondern vielleicht einfach als meine Art, es zu leben.

Denn Genuss beginnt für mich inzwischen lange vor dem ersten Bissen. Er beginnt bei der Vorfreude. Beim Einkaufen. Bei der Idee, was aus drei Lebensmitteln werden könnte, die sich vorher noch nie begegnet sind. Beim Geruch in der Küche, bei Musik, bei einem schön gedeckten Tisch und bei den Menschen, die später daran sitzen.

Und genau deshalb werde ich jetzt gleich tatsächlich die Augen zumachen.

Nur kurz.

Powernap.

Die Raupe braucht schließlich auch mal Ruhe.

Und wenn ich die Augen wieder aufmache, darf ich zurück an den Herd und wieder Gastgeberin sein. Heute Abend dürfen sich dort Gnocchi, Spinat, Tomaten und Parmesan kennenlernen, und ich habe ehrlich gesagt noch keine hundertprozentige Ahnung, was genau daraus entstehen wird.

Aber genau darauf freue ich mich.

Vielleicht ist das nämlich mein ganzheitlicher Genuss: nicht erst das fertige Essen zu genießen, sondern schon alles, was auf dem Weg dorthin passiert.

Die Idee. Der Duft. Das Abschmecken. Der Tisch. Die Menschen. Das erste „Oh, das ist lecker“. Das Gespräch, bei dem irgendwann keiner mehr weiß, wo eigentlich sein Handy liegt.

Vielleicht ist es genau das, was unser Leben am Ende so verdammt schön macht.

Nicht immer zu wissen, was als Nächstes kommt.

Aber ziemlich gespannt darauf zu sein, was sich da gerade zusammenbraut.

Bei den Gnocchi.

Bei der Liebe.

Und bei der Raupe sowieso. 🌿


Gnocchi mit Spinat, Orange & Kürbisragout

Einfach einfach lecker

Für etwa 4 Personen brauchst du:

🌿 800 g Gnocchi
🌿 500–600 g frischen Blattspinat
🌿 1 große Zwiebel
🌿 80–100 g getrocknete Tomaten
🌿 Oregano & Rosmarin
🌿 einen kleinen Schuss Agavendicksaft
🌿 Saft einer Orange
🌿 Salz & Pfeffer
🌿 Parmesan
🌿 einen großen, knackigen Blattsalat

Für das Kürbisragout:

🌿 ca. 700 g Kürbis, gewürfelt
🌿 1 Zwiebel
🌿 etwas Olivenöl
🌿 Salz, Pfeffer & Kräuter nach Geschmack
🌿 einen kleinen Schuss Orangensaft
🌿 etwas frischen Salat oder Rucola zum Unterheben

Die Gnocchi nach Packungsanleitung garen oder anschließend noch kurz in der Pfanne anbraten – ich liebe sie, wenn sie außen ein bisschen Farbe bekommen.

Die Zwiebel anschwitzen, getrocknete Tomaten dazugeben und anschließend ordentlich Spinat in die Pfanne werfen. Keine Sorge, aus dem beeindruckenden Spinatberg werden bekanntlich innerhalb von ungefähr 34 Sekunden drei traurige Esslöffel. 😄 Mit Oregano, Rosmarin, Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Agavendicksaft und frischem Orangensaft abschmecken.

Dann die Gnocchi unterheben und Parmesan darüberhobeln.

Parallel den Kürbis mit Zwiebel und etwas Olivenöl weich schmoren, kräftig würzen und zum Schluss ebenfalls mit einem kleinen Spritzer Orange abschmecken. Kurz vor dem Servieren etwas knackigen Salat oder Rucola unterheben – dadurch bekommt das warme Ragout noch einmal richtig schöne Frische.

Auf den Teller kommt zuerst ordentlich Salat, darauf die warmen Gnocchi mit Spinat, Tomate & Orange, Parmesan on top und daneben das warme Kürbisragout.


Ich verschenke mein Retreat-Kochbuch!

Von Isabella inspiriert.- Ordnung auch im Genuss

Alles, was ich hier auf dem Retreat gekocht, ausprobiert und auf die Teller gebracht habe, habe ich in einem kleinen Retreat-Kochbuch gesammelt – und davon möchte ich 3 Exemplare verschenken.

Was du dafür machen musst?

🌿 Verrate mir 3 deiner absoluten Lieblingsrezepte – ganz egal ob gesund, Familienklassiker oder „könnte ich dreimal die Woche essen“.

🌿 Und schreib mir kurz, warum du mir hier eigentlich folgst. Was magst du an meinem Content, was inspiriert dich oder wovon möchtest du gern mehr sehen?

Die ersten 3 bekommen von mir ein Kochbuch zugeschickt. 🌿

Und ja: Darin steckt ziemlich genau das, was ich unter ganzheitlichem Genuss verstehe – unkompliziert, gesund, richtig lecker und bitte niemals langweilig.

Ich bin mindestens genauso gespannt auf eure Rezepte wie ihr hoffentlich auf meine.

Tina Pantke