Ein bisschen mehr delulu bitte
Ein bisschen mehr delulu bitte
Wer King of Queens kennt, erinnert sich vielleicht an Doug und Deacon.
Diese besondere Freundschaft, die irgendwo zwischen Arbeitskollegen, besten Freunden und gegenseitigem Wahnsinn pendelt. Die beiden verbringen gefühlt mehr Zeit miteinander als mit ihren Familien, kennen jede Macke des anderen und sind trotzdem immer wieder füreinander da.
Vor einiger Zeit habe ich gelernt, dass es dafür inzwischen sogar einen Begriff gibt: Arbeits-Ehepartner.
Und genau so eine Arbeits-Ehefrau habe ich.
Sie ist 24.
Ich bin... nun ja, deutlich näher an den Vierzig als an den Zwanzig.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – verstehen wir uns großartig.
Neulich liefen wir gemeinsam durch Kolberg. Rechts von uns Pferdekoppeln, links die Abendsonne, vor uns ein Hotel voller Gäste.
Im 360° kamen gerade knapp 100 Menschen an, überall war Bewegung, Vorfreude und diese besondere Energie, die entsteht, wenn etwas Großes beginnt.
Wir spazierten zwischen den Pferden entlang, unterhielten uns über Gott, die Welt und wahrscheinlich auch darüber, was wir noch alles erledigen müssten, als sie plötzlich zu mir sagte:
„Tina, heute warst du schon ein bisschen delulu.“
Ich blieb stehen.
Nicht, weil mich die Aussage traf.
Sondern weil ich absolut keine Ahnung hatte, wovon diese Frau sprach.
Delulu?
War das ein Sprachfehler?
Eine neue Kaffeesorte?
Ein Pferd?
Ich beschloss, mir nichts anmerken zu lassen und hoffte, den Sinn aus dem Kontext zu verstehen.
Hat nicht funktioniert.
Irgendwann musste ich fragen.
„Was bedeutet denn bitte delulu?“
Sie lachte.
„Delusional. Also ein bisschen verrückt. Ein bisschen unrealistisch. Ein bisschen in deiner eigenen Welt.“
Ah. Okay.
Dann bin ich vermutlich öfter delulu als gedacht.
Und während wir weiterliefen, dachte ich über dieses Wort nach. Denn eigentlich ist es doch spannend. Ab wann ist jemand wirklich unrealistisch und ab wann hat jemand einfach eine Vision? Ab wann ist ein Mensch verrückt und ab wann ist er seiner Zeit einfach nur ein kleines Stück voraus?
Wenn wir ehrlich sind, wurden vermutlich die meisten großen Ideen dieser Welt am Anfang belächelt. Irgendjemand wollte fliegen. Irgendjemand wollte ein Auto bauen. Irgendjemand dachte, man könne Musik mit 90.000 Menschen gleichzeitig feiern. Und irgendjemand sagte wahrscheinlich jedes Mal:
„Ganz schön delulu.“
Vielleicht brauchen wir sogar ein bisschen davon. Nicht die Art von delulu, die die Stromrechnung vergisst oder glaubt, der Kühlschrank füllt sich von allein. Sondern die gute Sorte. Die, die daran glaubt, dass Dinge möglich sind. Die, die Chancen sieht, wo andere nur Probleme erkennen. Die, die einen Traum ausspricht, bevor sie weiß, wie er funktioniert.
Meine Kollegin hat noch etwas gesagt, das mich zum Lachen gebracht hat.
„Tina, ich rechne mir das Leben einfach schön.“
Und dann erklärte sie mir Girls Math.
Für alle, die den Begriff noch nicht kennen: Wenn du Schuhe zurückgibst, hast du kein Geld ausgegeben. Du hast Geld gewonnen. Schließlich war das Geld vorher schon weg.
Logisch.
Zumindest in der Welt einer 24-Jährigen.
Und während mein innerer Taschenrechner kurz Schnappatmung bekam, musste ich gleichzeitig schmunzeln. Denn vielleicht steckt darin mehr Wahrheit, als wir zugeben wollen.
Als ich damals meinen Laden eröffnet habe, war meine Rechnung ehrlich gesagt auch nicht das, was ein sehr nüchterner Finanzmensch vermutlich als „wasserdicht“ bezeichnet hätte.
Natürlich hätte man vieles realistischer planen können. Rückblickend sogar: müssen. Aber ganz ehrlich? Wenn ich damals alles bis ins letzte Detail durchgerechnet hätte, hätte ich es wahrscheinlich nie gemacht.
Nie.
Weil meine Vision größer war als meine Excel-Tabelle.
Für mich war dieser Laden nie nur ein Laden. Er war ein Gefühl. Ein Anfang. Ein Ort für Begegnung, Genuss, Ideen, Menschen, Essen, Gespräche und all das, was daraus irgendwann noch entstehen sollte.
Und vielleicht ist genau das die gute Version von Girls Math. Nicht sich die Zahlen schönzureden und danach überrascht zu sein, dass Miete wirklich jeden Monat kommt. Spoiler: tut sie. Sondern realistisch genug zu sein, um hinzuschauen, und mutig genug, um trotzdem größer zu denken.
Denn manche Rechnungen gehen erst auf, wenn man den Mut mit einberechnet.
Je älter wir werden, desto realistischer werden wir. Wir rechnen Risiken, kalkulieren Wahrscheinlichkeiten und überlegen, was alles schiefgehen könnte. Und manchmal verlieren wir dabei genau das, was junge Menschen noch so selbstverständlich mitbringen: Leichtigkeit.
Nicht Naivität.
Leichtigkeit.
Diese wunderbare Fähigkeit, Dinge einfach mal auszuprobieren. Zu träumen. Zu spinnen. Zu glauben.
Ich liebe genau das an meiner Arbeits-Ehefrau.
Und ich liebe es, dass wir so unterschiedlich sind.
Denn während ich manchmal etwas zu viel analysiere, erinnert sie mich daran, dass nicht jede Idee sofort einen Businessplan braucht. Manche brauchen erst einmal nur einen Satz, der ausgesprochen wird.
Vielleicht klingt er am Anfang ein bisschen delulu.
Vielleicht macht er anderen Angst.
Vielleicht versteht ihn noch niemand.
Aber vielleicht ist er genau deshalb wichtig.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich meinen Job so mag. Nicht wegen der E-Mails. Nicht wegen der Meetings. Sondern wegen der Menschen. Wegen der Gespräche zwischen Pferdekoppeln. Wegen der Gedanken, die man allein niemals gehabt hätte. Wegen der unterschiedlichen Generationen, die plötzlich feststellen, dass sie voneinander lernen können.
Und falls ihr irgendwann einmal einen Ort sucht, an dem genau solche Begegnungen entstehen, dann kommt gern ins 360°.
Hier laufen regelmäßig Menschen herum, die ein bisschen delulu sind.
Zum Glück.
Denn die langweiligen Ideen hat meistens sowieso schon jemand anders gehabt.
Und ganz ehrlich?
Vielleicht braucht diese Welt gerade nicht mehr Realisten.
Vielleicht braucht sie einfach ein paar Menschen mehr, die mutig genug sind, an ihre verrückten Ideen zu glauben.
Ein bisschen delulu eben. 🤍
Der Delulu-Salat
Diesen Salat habe ich diese Woche gemeinsam mit einer Freundin gemacht.
An einem Tag, an dem wir beide ein kleines bisschen delulu waren.
Sie hatte mit ihrem Wachstum zu kämpfen, ich mit dem Gedanken, dass ich eigentlich abnehmen möchte und gleichzeitig plötzlich gefühlt immer Hunger habe.
Also haben wir das gemacht, was Frauen seit Jahrhunderten machen:
Wir haben gekocht und geredet.
Und dabei ist dieser Salat entstanden.
Ein Salat, der auf dem Papier vielleicht nicht komplett logisch klingt, aber genauso wie manche verrückten Ideen überraschend gut funktioniert.
2 Personen
Für den Salat
1 Romana-Salat
2 große Tomaten
eine Handvoll frisches Basilikum
Saft einer halben Zitrone
2 EL Kräuteröl
Salz & Pfeffer
Für die Pfanne
1 kleine Zucchini
4 Scheiben frische Ananas
200 g Halloumi
Zum Topping
Kürbiskerne
Sonnenblumenkerne
Zubereitung
Romana, Tomaten und Basilikum grob schneiden und mit Zitronensaft, Kräuteröl, Salz und Pfeffer vermengen.
Die Zucchini in Scheiben schneiden. Zusammen mit der Ananas in einer heißen Pfanne anrösten, bis die Ananas leicht karamellisiert und die Zucchini goldbraune Stellen bekommt.
Den Halloumi würfeln und ebenfalls knusprig anbraten.
Alles auf dem Salat verteilen und großzügig mit Kürbis- und Sonnenblumenkernen toppen.
Tina-Tipp
Manchmal sind die besten Kombinationen die, bei denen man zuerst denkt:
„Das kann doch nicht zusammenpassen.“
Und genau deshalb heißt er Delulu-Salat.
Denn manchmal funktionieren die verrücktesten Ideen am Ende am besten.
„„Denn manche Rechnungen gehen erst auf, wenn man den Mut mit einberechnet.““