Eine Beichte in Times New Roman

Es gibt diese Momente, in denen man sich wünscht, man könnte die Zeit fünf Sekunden zurückdrehen.

Zum Beispiel damals in der achten Klasse, als ich einen Aufsatz mit zehn Seiten abgegeben habe – voller Gefühl, voller Dramatik – und meine Lehrerin ihn mit einem roten Stift zurückgab, der offensichtlich sehr gut im Einsatz war. Überall kleine Kreise. Pfeile. Fragezeichen. Und ganz oben stand: „Inhaltlich stark. Rechtschreibung leider 5.“

Ich weiß noch, wie ich dachte: Aber ich habe doch so viel geschrieben.

Nur eben nicht richtig.

Und ich muss euch heute etwas beichten. Im großen Stil.

Wenn ich diese Blogtexte ohne ein Rechtschreibprogramm veröffentlichen würde – danke, liebe KI, dass es dich gibt – ihr würdet vermutlich denken, ich hätte meine ganz eigene Orthografie entwickelt. Mein Kopf denkt schneller, als meine Finger tippen können. Kommas setzen sich dahin, wo gerade Platz ist. Aus einem Bücherregal wird ein „Büchreegal“. Und ich lese drei Mal drüber und sehe es trotzdem nicht.

Früher hatte ich in Deutsch konstant eine Vier bis Fünf in Rechtschreibung. Zehn Seiten Aufsatz? Kein Problem. Aber Punkt und Komma waren eher Gäste als feste Bewohner meiner Texte.

Und ich habe mich lange dafür geschämt.

So lange, dass ich irgendwann aufgehört habe, wirklich zu schreiben. In einem früheren Job wurde ich einmal gefragt, ob ich eine Lese-Rechtschreibschwäche hätte und ob ich mit so etwas überhaupt in diesem Bereich arbeiten könne. Ich weiß noch, wie mir der Magen in die Knie gerutscht ist. Von da an wurden meine Mails kürzer, nüchterner, vorsichtiger. Bloß kein Risiko. Bloß kein falsches „e“, das sich irgendwo einschleicht. Meine Ideen wurden kleiner, weil ich sie nicht mehr groß aussprechen wollte.

Und dann kam mein eigener Laden.

Ich musste Menükarten schreiben.

Und glaubt mir: Wenn man kreativ kocht, aber Rechtschreibung als Abenteuer betrachtet, entstehen interessante Kombinationen. Mehrmals in der Woche kamen Gäste zu mir und boten an, gegen einen Kaffee meine Karten zu korrigieren. Es sei ja peinlich.

Ehrlich?

Ich hatte dafür keine Zeit.

Also schrieb ich einen Satz auf meine Menükarten. Offen und ohne Drama: Bitte verzeiht die Rechtschreibfehler. Mir ist wichtiger, dass ihr hier Genuss erlebt und ich am Herd für euch zaubern kann. Und wenn ihr wirklich nicht versteht, was da steht, dann kommt einfach an den Tresen – der war in meinem winzig kleinen Laden nur einen Schritt entfernt – und fragt, ob der „Gukren-Salat mit Dill & Zitrone“ eine neue kulinarische Revolution ist.

Es wurde gelacht. Es wurde gegessen. Und niemand ist verhungert wegen eines fehlenden Kommas.

Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich selbst noch Gänsehaut bekomme.

Montag klingelte UPS. Ein kleines, braunes, unscheinbares Paket. Darin lag der erste Probedruck meines eigenen Buches.

Mein. Eigenes. Buch.

Ich habe es endlich gemacht. Nicht mehr nur Dateien auf meinem Laptop, auf dem seit sechs Jahren mehrere Kochbücher liegen wie brave, aber vergessene Kinder. Ich habe es drucken lassen. Ich hatte es zuvor an Verlage geschickt, und ja – ich habe Rückmeldungen bekommen. Aber keine „Wir veröffentlichen Sie sofort“-Anrufe, sondern Angebote, bei denen ich rund 10.000 Euro investieren sollte, um mein eigenes Buch herauszubringen. Und so sehr ich an meine Rezepte glaube – diese Summe investiere ich aktuell nicht in ein Verlagsmodell.

Also habe ich es gemacht, wie so oft in meinem Leben: selbst.

Ich habe eine Druckerei gesucht, ein Cover gestaltet, die Schriftart formatiert – natürlich im ersten Probedruck viel zu klein, weil ich offensichtlich dachte, alle Leserinnen hätten Adleraugen – und dann habe ich auf „Senden“ geklickt. Ohne hundertprozentige Sicherheit. Ohne Garantie. Einfach mit diesem Gefühl: Der Schritt muss jetzt sein.

Als ich auf der Couch saß und mein Buch in der Hand hielt, mit Seiten, die noch doppelt waren, mit Überschriften, die noch nicht perfekt gesetzt waren, da ist in mir etwas passiert.

Ich bin innerlich geplatzt vor Stolz.

Nicht, weil es perfekt war.
Sondern weil ich es gemacht habe.

Mein Buch ist jetzt im Lektorat. Und ich entschuldige mich jetzt schon bei dem Menschen, der sich wahrscheinlich durch meine Kommas kämpft und sich fragt, ob mit mir alles stimmt.

Aber wisst ihr was?

Der größte Fehler wäre nicht ein Rechtschreibfehler. Der größte Fehler wäre gewesen, es nicht zu tun.

Ich denke heute an all die Screenshots mit Tippfehlern, die mir geschickt wurden. An Chefs, die mir subtil das Gefühl gegeben haben, nicht genug zu sein. Und ich merke: Vielleicht brauchte ich das alles, um zu verstehen, dass Fehler kein Stopp-Schild sind. Sie sind ein Wegweiser.

Ich bereue nicht meine Rechtschreibfehler.

Ich bereue die Jahre, in denen ich aus Angst leiser geworden bin. In denen ich dachte, ich müsse erst besser werden, bevor ich sichtbar sein darf. In denen ich gewartet habe, bis irgendjemand mir offiziell bestätigt, dass ich gut genug bin.

Spoiler: Diese Bestätigung kommt nicht.

Und selbst wenn sie kommt, fühlt sie sich nie so stark an wie der Moment, in dem du selbst entscheidest: Ich mache es trotzdem.

Ich schreibe trotzdem.
Ich veröffentliche trotzdem.
Ich drucke mein Buch trotzdem.

Mit Kommas, die manchmal rebellieren.
Mit Layouts, die im Probedruck zu klein geraten.
Mit Mut, der größer ist als meine Angst.

Perfektion ist kein Startsignal.
Sie ist eine Ausrede.

Und vielleicht ist genau das die Fehlerkultur, die wir mehr brauchen:
Nicht die, in der alles glattläuft. Sondern die, in der wir sagen: Ja, ich habe Fehler. Ja, ich lerne. Und nein, ich warte nicht mehr.

Denn der größte Fehler wäre nicht ein falsches „e“.

Der größte Fehler wäre, dein Leben in der Entwurfsfassung zu lassen.


NEWS

〰️

NEWS 〰️

Last Call – ein Platz noch frei

Ich sag’s, wie es ist:
Ein Platz ist noch frei in meinem Online-Kurs. Anmeldeschluss ist der 24.02.

Drei Wochen Support.
Dranbleiben.
Inspiration.
Eine echte Reise in die basische Ernährung – begleitet von ätherischen Ölen, Wissen und ganz viel Alltagstauglichkeit.

Vorbestellung –
„Abnehmen schmeckt mir nicht“

Und weil diese Woche sowieso im Zeichen von Mut steht:

Mein Buch ist im Lektorat.
Es heißt „Abnehmen schmeckt mir nicht“.

Es ist kein klassisches Kochbuch.
Es ist Wahrheit zwischen Rezepten.
Geschichten darüber, woran ich gescheitert bin.
Und ganz viele Rezepte aus meinem Laden, die bis heute nie veröffentlicht wurden.

Ehrlich. Direkt. Und garantiert nicht perfekt.

„Perfekt wird überbewertet. Mut wird gedruckt.“
— Tina
Tina Pantke