Herr „Wollter“
Ein großer Teil meines Lebens begann in einem kleinen Dorf. Heteborn.
Dort lebte mein Opa, Bäckermeister, und gemeinsam mit meinem Vater waren wir oft dort.
Ich erinnere mich an Mehlstaub in der Luft, an frühe Morgen, an dieses warme Gefühl von „hier bin ich sicher“.
Ich bin ein Scheidungskind.
Und rückblickend – wirklich rückblickend – war das für mich ein Glück.
Meine ersten Lebensjahre waren gut. Sehr gut sogar.
Ich hatte Eltern und Großeltern, die mir den Himmel auf Erden gebaut haben.
Ich kann mich über meine Kindheit in keiner Weise beschweren.
Und dann kam das Leben dazwischen.
Die Scheidung.
Eine neue Frau an der Seite meines Vaters.
Und mit ihr eine Entscheidung, die ich damals nicht verstanden habe – und heute akzeptiere.
Der Kontakt brach ab, da war ich etwa zwanzig.
Geburtstagsnachrichten.
Weihnachtsgrüße.
Mehr nicht.
Heute, Mitte dreißig, habe ich meinen Frieden damit gemacht.
Meine Mama hat mir einen Stiefvater geschenkt, den man sich nicht besser wünschen könnte.
Einen, der da ist. Der tut. Der bleibt.
Familie ist manchmal nicht das, womit man startet – sondern das, was man findet.
Und trotzdem gibt es da eine Geschichte, aus der ich immer wieder lerne.
Wir nannten meinen Vater früher Herrn „Wollter“.
Er wollte immer.
Er wollte anrufen.
Er wollte sich melden.
Er wollte vorbeikommen.
Aber er tat es nie.
Als Kind habe ich das nicht hinterfragt.
Als Erwachsene – innerlich vielleicht immer noch ein Stück Kind – tut mir diese Art heute weh.
Nicht aus Wut. Sondern aus Klarheit.
Und irgendwann habe ich mir geschworen:
So will ich nicht werden.
Und dann kam der Moment, in dem ich gemerkt habe:
Verdammt. Ich habe Züge davon.
Ich wollte immer einen Laden.
Ich hatte ihn. Und ich bin gescheitert.
Ich wollte immer ein Kochbuch schreiben.
Ich habe es geschrieben.
Aber es war mir nicht perfekt genug – also hängt Kochbuch 2.0 seit Monaten in meinem Kopf fest.
Ich wollte immer so vieles.
Und manchmal habe ich gewollt, ohne weiterzugehen.
2026 möchte ich genau diesen Gedanken durchbrechen.
Ich möchte keine Frau „Wollte“ sein.
Ich möchte eine Frau „Ich tue“ werden.
Nicht perfekt.
Nicht fertig.
Aber ehrlich.
Und in Bewegung.
Gerade jetzt, in dieser Zeit zwischen den Jahren, denkt man mehr nach.
Man sortiert.
Man mistet aus – nicht nur Schränke, sondern auch Gedanken.
Und vielleicht darf dieser Gedanke jetzt gehen.
Ich danke meinem leiblichen Vater dafür, dass er mir – wenn auch unbewusst – gezeigt hat, wie ich nicht sein möchte.
Denn wollen kann jeder.
Aber machen verändert Leben.
Genau wie dieser Blogbeitrag.
Den ich schreibe.
Jeden Sonntag.
Ohne Wenn.
Ohne Aber.
Weil ich nicht mehr nur wollen will.
Ich will tun.
Und wachsen.
Bis Ende des Jahres verschenke ich noch 3 persönliche Ölprofile.
Das bedeutet: Du füllst ein paar Fragen aus – und ich melde mich ganz in Ruhe bei dir, um dich behutsam und ehrlich in die Welt der ätherischen Öle einzuführen.
Ohne Verpflichtung. Ohne Verkaufsdruck.
Einfach als Einladung, dich selbst ein Stück besser kennenzulernen.
Wenn es sich für dich stimmig anfühlt, melde dich gern bei mir
Omas (bzw. Opas) Möhrensuppe –
basisch interpretiert
Diese Suppe ist für mich Kindheit, Erdung und genau das Gegenteil von „wollen“.
Sie ist tun.
Ein Topf, einfache Zutaten, Zeit – und das Wissen: Das tut mir gut.
Zutaten (für 2–3 Portionen)
500–600 g Möhren
1 kleine Kartoffel (für Bindung & Wärme)
1 kleine Zwiebel oder 1 Schalotte
1 kleines Stück frischer Ingwer (optional, aber sehr wohltuend)
1 EL Olivenöl
ca. 750 ml heißes Wasser oder milde Gemüsebrühe
Salz & Pfeffer
Muskat (eine Prise – ganz wichtig)
Kurkuma (optional, für Entzündungshemmung)
Optional zum Abrunden (meine Tina-Note):
ein kleiner Schluck Mandelmilch oder Hafermilch
frische Petersilie oder Schnittlauch
ein paar geröstete Kürbiskerne
Zubereitung
Für die Zubereitung schälst du zuerst die Möhren und schneidest sie in Scheiben. Die Zwiebel wird fein gewürfelt, die Kartoffel geschält und in kleine Stücke geschnitten. In einem Topf erhitzt du das Olivenöl und dünstest die Zwiebel glasig an. Anschließend gibst du Möhren, Kartoffel und – wenn du magst – den Ingwer dazu und lässt alles kurz mitschwitzen, ohne dass es Farbe annimmt. Danach gießt du das Ganze mit Wasser oder einer milden Gemüsebrühe auf, sodass das Gemüse gut bedeckt ist, und lässt die Suppe etwa 20 Minuten sanft köcheln, bis alles weich ist. Anschließend wird alles fein püriert und mit Salz, Pfeffer, einer Prise Muskat und optional etwas Kurkuma abgeschmeckt. Zum Schluss rundest du die Suppe mit einem kleinen Schluck Pflanzenmilch ab – für genau diese Weichheit und Wärme, die nicht nur satt macht, sondern auch das Herz erreicht.
In der Küche
meiner Oma hing über dem Herd ein kleiner Spruch. Kein Bild, kein Schnickschnack – nur ein Satz, der dort hing, als wäre er selbstverständlich:
„Lass die Leute reden, sie reden über jeden.“
Als Kind habe ich diesen Satz kaum verstanden. Warum sollten Leute reden? Und warum über jeden?
Heute, viele Jahre später, verstehe ich ihn umso mehr.
Denn heute wird mehr geredet als je zuvor. Man wird verglichen, bewertet, eingeordnet. Alles ist sichtbar, alles scheinbar überprüfbar, überall kann man nachlesen, nachschauen, nachfragen. Und genau darin liegt die große Kunst: diesen Satz nicht nur zu kennen, sondern ihn wirklich zu leben.
Nicht alles an sich heranzulassen. Nicht jede Meinung mitzunehmen. Nicht jedes „Man müsste“, „Man sollte“, „Man hätte doch“ zu seinem eigenen Maßstab zu machen. Sondern Schritt für Schritt die beste Version seiner selbst zu werden – leise, ehrlich, im eigenen Tempo.
Vielleicht ist genau das auch meine größte Erkenntnis für jetzt. Und mein Wunsch für 2026: weniger wollen, weniger zweifeln, weniger erklären – und dafür mehr tun, mehr fühlen, mehr bei mir bleiben.
Schauen wir mal, was dieses Jahr bringt. Ich bin bereit.
„Du musst nicht lauter werden, um gesehen zu werden. Es reicht, wenn du dir selbst treu bleibst.“