Ich will Model werden - oder doch Feuerwehrmann....
Samstag, 9:17 Uhr. Zweite Tasse Kaffee. Und plötzlich: Nostalgie.
Ich habe diese Woche etwas gefunden. Ganz hinten in einer Schublade, zwischen alten Fotos und einem Kugelschreiber, der wahrscheinlich seit 2003 nicht mehr schreibt. Mein Freundebuch.
Ihr wisst schon – diese kleinen Bücher mit Glitzer auf dem Einband, die durch die Klassen gereicht wurden wie kleine Schätze. Mit dieser einen unausgesprochenen Regel: Die beste Freundin zuerst. Und dann saß man da, mit Stabilostiften in allen Farben (wer die meisten hatte, war automatisch cooler), und plötzlich wurde es ernst.
Lieblingsfarbe, Lieblingsessen, Lieblingssong.
Und dann diese eine Frage, die sich damals anfühlte wie eine Bewerbung fürs Leben:
Was willst du mal werden, wenn du groß bist?
Die anderen hatten Antworten. Klare. Selbstbewusste. „Tierärztin“, „Lehrerin“, „Popstar“ – als wäre das alles einfach so machbar.
Und ich?
Ich hatte eher ein Gefühl als einen Plan.
Während um mich herum große Worte in die kleinen Zeilen geschrieben wurden, saß ich da, kaute auf meinem Stift und schwankte irgendwo zwischen Feuerwehrfrau, Model und Pferdepflegerin. Am Ende stand da meistens irgendetwas, das sich richtig anfühlte, aber nicht wirklich greifbar war. Weil ich nicht wusste – ich fühlte. Und Gefühle passen bekanntlich schlecht in vorgedruckte Linien.
Was ich damals nicht wusste: Genau dieses Fühlen würde mich irgendwann ziemlich genau dorthin führen, wo ich heute bin.
Zwischen all den Seiten voller Herzchen und „Bleib so wie du bist“-Sprüchen gab es eine, die anders war. Keine Freundin hatte sie ausgefüllt.
Mein Erzeuger.
Er hat nur einen einzigen Satz hineingeschrieben:
„Lebe dein Leben so, dass du keinen Urlaub brauchst.
Denn es ist widersinnig, sich von seinem eigenen Leben erholen zu müssen.“
Ich war elf. Und ganz ehrlich – ich habe kein einziges Wort verstanden.
Urlaub war doch das Beste, was es gab. Eis, Meer, länger wach bleiben. Warum sollte man das nicht brauchen?
Ich erinnere mich noch, wie ich dachte: Typisch Vater. Sagt Dinge, die keiner versteht.
Heute, ein paar Jahrzehnte ( maximal zwei ) später, sitze ich hier – und mein Akku zeigt vielleicht noch 34 %.
Nicht leer im Sinne von „ich kann nicht mehr“, sondern eher dieses leise, ehrliche Signal: Es darf wieder mehr Raum entstehen.
Mehr Luft zwischen den Terminen, mehr Gedanken ohne To-Do-Liste, mehr von diesem Zustand, in dem man nicht ständig reagiert, sondern einfach mal ist.
Oder, um es mit Harald Juhnke zu sagen: „Keine Termine und leicht einen sitzen.“
(Ich nehme die alkoholfreie Variante. Mit Zitronenwasser und einem Tropfen Weihrauch, versteht sich.)
Wenn ich zurückblicke, war ich nie die klassische Einser-Schülerin. Ich habe mich durch vieles durchgekämpft und die Schule eher aus der Ferne geschätzt. Ich weiß bis heute nicht genau, wo Aserbaidschan liegt, und bei der Hauptstadt von Kasachstan komme ich ins Schwanken. Aber ich habe andere Dinge gelernt.
Ich weiß heute, wie man Sauerkraut und Apfel so kombiniert, dass dein Darm eine kleine Party feiert. Ich weiß, warum Kürbis und Orange plötzlich Sinn machen. Und ich weiß, dass Weihrauch für mein Nervensystem kein „Vielleicht“, sondern ein ziemlich klares „Immer da haben“ ist.
Vielleicht ist genau das meine Stärke geworden: nicht alles zu wissen, sondern zu fühlen, was gut tut.
Auf dem Weg ins Wochenende habe ich einen Podcast gehört. Laura Malina Seiler erzählte davon, dass sie die Olympiahalle gemietet hat. Für ein Event.
Die Olympiahalle.
Ich saß im Auto und dachte nur: Wie groß ist das bitte?
Und fast im selben Moment kam eine andere Frage. So eine, die sich leise anschleicht und dann bleibt:
Was wären eigentlich meine großen Gedanken?
Was würde ich tun, wenn ich wirklich groß denke?
Was würde ich kochen, wenn alles möglich wäre?
Vielleicht geht es gar nicht darum, nie Urlaub zu brauchen. Vielleicht hat mein Vater das damals anders gemeint. Vielleicht geht es darum, sich Räume zu schaffen, in denen man sich selbst wieder hört. Räume, in denen Gedanken auftauchen dürfen, die im Alltag keinen Platz haben.
In meinem letzten Urlaub ist die Idee zur basischen Reise entstanden. Heute habe ich sie schon viermal umgesetzt. Und jedes Mal denke ich mir: Wie verrückt ist das eigentlich?
Vielleicht ist genau das die ungeschminkte Wahrheit: Dass die wirklich guten Ideen nicht entstehen, wenn alles voll ist – sondern wenn wieder Platz da ist.
Und jetzt sitze ich hier, mit meinem Kaffee, irgendwo zwischen Alltag und Vorfreude auf das, was kommt, und stelle mir eine ganz einfache Frage.
Nicht nur mir.
Sondern auch dir:
Was wolltest du eigentlich werden, als du klein warst?
Und noch viel wichtiger:
Was darf bei dir gerade ganz groß werden?
Ich bin wirklich neugierig.
Und jetzt entschuldige mich – mein Sauerkraut ruft.
Eure Tina
P.S.: Falls jemand inzwischen weiß, wo Aserbaidschan liegt – ich habe Frieden damit geschlossen, es nicht zu wissen. 😄
Verbringe eine Woche mit mir
Ab dem 01.04. startet meine kleine Online-Reise rund um ätherische Öle – und vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment für dich, einfach mal reinzuschnuppern.
Wir sprechen über Themen wie Haut, Schlaf und natürlich mein Herzensthema: Kochen mit den Ölen – ganz alltagstauglich, ehrlich und ohne komplizierten Schnickschnack.
Ich kann es nicht lassen
Sauerkraut-Apfel Bowl mit Goldhirse, Kichererbsenmousse & Schmorgurken
(oder: Wenn dein Darm applaudiert und du plötzlich verstehst, warum Essen mehr kann)
Ich weiß… ich wollte eigentlich keine Rezepte mehr teilen.
Aber nach dem Retreat wurde ich so oft danach gefragt, dass ich es einfach nicht lassen konnte.
Und ehrlich?
Dieses Gericht ist zu gut, um es nicht weiterzugeben.
Warm, weich, frisch, cremig, leicht säuerlich, ein Hauch süß – und alles zusammen ergibt diese Bowl, bei der man nach dem ersten Bissen kurz innehält und denkt:
Oh. Das tut gerade richtig gut.
Zutaten (für 2 Portionen)
Für die Goldhirse:
120 g Goldhirse
300 ml Wasser
1 Prise Salz
Für das Sauerkraut-Apfel-Gemüse:
250 g Sauerkraut (roh, wenn möglich)
1 großer Apfel (Elstar oder Braeburn)
1 kleine rote Zwiebel
1 TL Olivenöl
1 Prise Zimt
Salz & Pfeffer
optional: 1–2 Tropfen dōTERRA Wild Orange
Für die Schmorgurken:
1 große Gurke
1 TL Olivenöl
etwas Zitronensaft
Salz & Pfeffer
frischer Dill (optional)
Für das Kichererbsenmousse:
1 Glas Kichererbsen (ca. 240 g Abtropfgewicht)
2 EL Tahin
Saft einer halben Zitrone
2–3 EL Wasser
1 EL Olivenöl
Salz & Pfeffer
optional: 1 Tropfen dōTERRA Lemon oder Weihrauch
Zubereitung
Zuerst die Hirse heiß abspülen und dann mit Wasser und einer Prise Salz aufkochen. Danach etwa 10–15 Minuten sanft köcheln lassen, bis sie weich ist. Vom Herd ziehen und kurz quellen lassen.
Währenddessen die Zwiebel fein würfeln und den Apfel in kleine Stücke schneiden. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen, die Zwiebel glasig anbraten, dann den Apfel dazugeben und leicht karamellisieren lassen.
Das Sauerkraut unterheben, alles gut vermengen und mit Zimt, Salz und Pfeffer abschmecken. Ein paar Minuten ziehen lassen, damit sich die Aromen verbinden. Optional am Ende ein bis zwei Tropfen Wild Orange dazugeben – das bringt eine unglaublich schöne Frische rein.
Für die Schmorgurken die Gurke längs halbieren, in Scheiben schneiden und in etwas Olivenöl kurz anbraten. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken und – wenn du magst – mit frischem Dill verfeinern. Sie sollen weich sein, aber noch Biss haben.
Das Kichererbsenmousse einfach im Mixer cremig pürieren. Wenn es noch zu fest ist, etwas Wasser dazugeben, bis es schön fluffig wird. Abschmecken nicht vergessen – und wer mag, kann hier mit einem Tropfen Lemon oder Weihrauch arbeiten.
Anrichten
Jetzt kommt alles zusammen:
Die Goldhirse als Basis in die Bowl geben.
Das warme Sauerkraut-Apfel-Gemüse darauf verteilen.
Die Schmorgurken danebenlegen.
Und dann ein großzügiger Löffel Kichererbsenmousse obendrauf – perfekt auch zum Dippen.
Optional mit frischen Kräutern oder ein paar Kernen toppen.
„Manchmal fliegen wir weg, um auszuruhen.
Und kommen zurück mit Träumen, die groß genug sind, um zu bleiben.“