Wie die Fliegen von den Wänden

Es gibt Abende, da weißt du morgens schon: Das wird gut.

Und dann gibt es Abende, die werden noch viel besser als gut.

Und enden trotzdem damit, dass du um sechs Uhr morgens aus dem Spa zurück in dein Hotelzimmer schleichst.

Ja.

Das muss ich erklären.

Wir waren dieses Wochenende in einem unserer absoluten Lieblingshotels im Harz eingeladen. Das Hotel feierte seinen fünften Geburtstag und ich hatte mich ehrlich gesagt die ganze Woche darauf gefreut. Mein Mann kam sogar zwei Stunden früher von der Arbeit nach Hause, ich hatte meinen Koffer – nennen wir es liebevoll – sehr optimistisch gepackt und wir fuhren viel früher los als geplant.

Ich liebe dieses Gefühl.

Wenn das Wochenende eigentlich schon auf der Autobahn beginnt.

Abends wollten wir dann "noch kurz" an die Bar.

Falls ihr euch gerade fragt, wie oft in eurem Leben aus "noch kurz" etwas geworden ist, das bis nach Mitternacht ging...

Willkommen im Club.

Dort standen zwei Barkeeper hinter dem Tresen, die ihren Beruf leider erschreckend gut beherrschten. Nicht dieses klassische: "Was darf's sein?"

Nein.

Die beiden machten daraus eine Show.

Es wurde gelacht, Geschichten wurden erzählt, Menschen kamen miteinander ins Gespräch und irgendwann wusste ich ehrlich gesagt nicht mehr, ob der French 75 in meiner Hand der zweite oder der dritte war.

Ich weiß nur noch, dass wir irgendwann auf die Uhr schauten und beide gleichzeitig sagten:

"Wie bitte kann es schon ein Uhr sein?"

Mit einem breiten Grinsen liefen wir also zurück auf unser Zimmer.

Oder besser gesagt...

...wir versuchten es.

Ich machte die Tür auf.

Machte das Licht an.

Und blieb einfach stehen.

Unsere Zimmerdecke war schwarz.

Nicht dreckig. Nicht feucht.

Sondern voller Fliegen. Motten. Mücken.

Ich weiß bis heute nicht genau, was das alles war. Für mich war das einfach eine einzige fliegende Wohngemeinschaft.

Wir hatten das Fenster gekippt gelassen.

Das kleine Licht im Zimmer hatte offenbar den gesamten Harz eingeladen.

Normalerweise wäre das genau der Moment gewesen, in dem ich mich aufgeregt hätte.

"Wieso passiert uns das?"

"Warum haben wir das Fenster offen gelassen?"

"Gibt es noch ein anderes Zimmer?"

Mein Kopf liebt solche Fragen.

An diesem Abend allerdings...

...hatte der French 75 das Denken übernommen.

Ein anderes Zimmer gab es um diese Uhrzeit nicht mehr.

Und genau da hatte einer der Barkeeper eine Idee, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde.

"Schlaft doch einfach ein paar Stunden im Spa."

Ich schaute meinen Mann an.

Er schaute mich an.

Und wir dachten beide ungefähr dasselbe:

Warum eigentlich nicht?

Während wir also mitten in der Nacht mit unseren Kissen Richtung Spa spazierten – ein Satz, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn einmal schreiben würde – hatte mein Mann plötzlich die nächste geniale Idee.

"Ich lass einfach die Zimmertür offen."

"Bitte was?"

"Na, damit die Fliegen zum Licht auf dem Flur fliegen."

Ich hätte euch jetzt gerne erzählt, dass ich diese Idee sofort brillant fand.

Habe ich aber nicht.

Ich dachte nur:

"Der French 75 spricht gerade aus dir."

Aber tatsächlich...

Es funktionierte.

Als wir gegen sechs Uhr morgens wieder vorsichtig ins Zimmer schlichen, war die komplette Fliegenparty umgezogen.

Ich weiß bis heute nicht, wo sie waren.

Und ehrlich gesagt möchte ich das auch gar nicht wissen.

Ich war einfach nur glücklich, endlich ins Bett zu fallen.

Am nächsten Morgen fiel mir auf der Terrasse plötzlich ein Podcast ein, den ich ein paar Tage vorher auf der Fahrt gehört hatte.

Darin ging es um sogenannte Double Happiness Moments.

Die Idee fand ich wunderschön.

Wenn du gerade glücklich bist, dann geh nicht sofort weiter.

Frag dich einen kleinen Moment:

"Warum bin ich gerade eigentlich glücklich?"

Und vor allem:

"Wie kann ich dieses Gefühl noch ein kleines bisschen länger festhalten?"

Ich musste schmunzeln.

Denn eigentlich war an diesem Abend ziemlich viel schiefgelaufen.

French 75 bis nachts um eins.

Ein Zimmer voller Fliegen.

Ein paar Stunden Schlaf im Spa.

Und trotzdem werde ich mich wahrscheinlich nicht an die Fliegen erinnern.

Sondern an das Lachen.

An diese zwei Barkeeper, die ihren Job mit so viel Freude gemacht haben, dass daraus ein Abend wurde.

An meinen Mann, der ernsthaft überzeugt war, mit einer offenen Tür eine Fliegenwanderung organisieren zu können.

Und daran, dass wir beide irgendwann beschlossen hatten, uns einfach nicht aufzuregen.

Vielleicht ist genau das dieser Double-Happiness-Effekt.

Nicht, dass alles perfekt läuft.

Sondern dass man den schönen Moment nicht von dem kleinen Chaos kaputt machen lässt.

Denn wenn ich ganz ehrlich bin...

...waren die Fliegen am Ende wahrscheinlich das Lustigste am ganzen Wochenende.

Und falls ihr euch fragt:

Ja.

Die Methode mit der offenen Tür funktioniert wirklich.

Ich würde sie trotzdem nur Menschen empfehlen, die vorher mindestens einen French 75 getrunken haben.

Oder zwei.


Ein Blick hinter die Kulissen

Eines meiner persönlichen Highlights an diesem Wochenende war der Blick hinter die Kulissen.

Wir durften kurz in die Küche schauen und ich liebe genau das. Nicht, weil dort alles perfekt ist, sondern weil man sieht, wie aus wenigen, richtig guten Zutaten etwas entsteht, das Menschen glücklich macht.

Als ich das Ceviche probierte, war mein erster Gedanke:

"Das mache ich zu Hause – nur eben auf meine Art."

Ein bisschen basisch basiert, alltagstauglich und so einfach, dass man es auch an einem Mittwochabend nach der Arbeit noch gerne zubereitet.

Hier kommt meine Version.

Meine basisch-basierte Ceviche-Bowl

Ich habe das Original an diesem Wochenende probiert und wusste schon nach dem ersten Bissen:

Das bekommt eine Tina-Version.

Etwas einfacher, etwas alltagstauglicher und mit Zutaten, die man wunderbar vorbereiten kann.

Zutaten für 2 Personen

  • 200 g frischer Lachs oder Saibling in Sushi-Qualität

  • 1 säuerlicher Apfel

  • 2 Stangen Sellerie

  • Saft von 2 Limetten

  • 2 EL Sesam (weiß oder schwarz)

  • 2 Frühlingszwiebeln

  • frischer Koriander oder Petersilie

  • 1 EL hochwertiges Olivenöl

  • Salz & frisch gemahlener Pfeffer

  • optional: 1 Tropfen Lemon oder Wild Orange (dōTERRA)

So geht's

Den Fisch in kleine Würfel schneiden und direkt mit dem Limettensaft vermengen. Während er kurz durchzieht, Apfel und Sellerie ebenfalls fein würfeln. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und alles miteinander vermengen.

Mit Olivenöl, Salz und Pfeffer abschmecken und zum Schluss den Sesam sowie die frischen Kräuter darübergeben.

Wer mag, rundet das Ganze mit einem Tropfen Wild Orange oder Lemon ab – das gibt dem Ceviche noch einmal eine herrlich frische, sommerliche Note.

Tina-Tipp 🤍

Ich serviere das Ceviche am liebsten mit einer kleinen Portion Quinoa oder auf einem Bett aus Gurkenstreifen. So wird aus einer Vorspeise im Handumdrehen ein leichtes Sommergericht.

Glück bedeutet nicht, dass nichts schiefgeht. Glück bedeutet, dass das Schöne größer wird als das Chaos.
— Tina
Tina Pantke