Sind Sie sicher, dass dieses Zimmer existiert?

Ich arbeite in einem Hotel.

Und falls ihr jetzt denkt, dort passieren den ganzen Tag nur romantische Sonnenuntergänge am Wasser, glückliche Gäste und Menschen,
die mit einem Aperol in der Hand sagen: „Ach, ist das schön hier“, muss ich euch leider enttäuschen.

Oft ja.

Und manchmal streikt die Eiswürfelmaschine.

Natürlich nicht an einem ruhigen Dienstag im November, wenn drei Menschen im Haus sind und niemand Eis braucht. Nein. Sie streikt selbstverständlich an einem Tag, an dem draußen gefühlt die Sahara persönlich vorbeischaut, rund 160 Gäste erwartet werden und man innerlich nur hofft, dass wenigstens der Kaffee heute seinen Job macht.

Genau so ein Tag war diese Woche.

Überall wurde aufgebaut, Kühlboxen wurden hin- und hergeschoben, irgendjemand suchte noch Verlängerungskabel, die Eis-am-Stiel-Lieferung war noch nicht da und mein Kopf fühlte sich an wie ein Browser mit 37 offenen Tabs. Und alle spielten gleichzeitig Musik.

In genau diesem Moment kam ein Gast an die Rezeption.

Er lächelte freundlich und fragte:

„Sind Sie sicher, dass dieses Zimmer überhaupt existiert?“

Ich schaute ihn an.

Er schaute mich an.

Und ich dachte nur:

Bitte nicht. Nicht heute. Nicht jetzt.

„Welches Zimmer meinen Sie denn?“, fragte ich.

„363.“

„Ja“, sagte ich. „Natürlich gibt es das.“

Er lächelte weiter.

„Aber Ihr Hotel heißt doch 360°. Ein Kreis endet doch bei 360 Grad. Wie kann es dann Zimmer 363 geben?“

Und jetzt kommt das Gemeine.

Er hatte recht.

Vollkommen.

Seit über drei Jahren laufen wir an diesen Zimmern vorbei. Zimmer 361, 362 und 363 waren für uns einfach Zimmer. Türen. Nummern. Betten. Gäste. Schlüssel. Fertig.

Nie im Leben hatte jemand von uns gedacht: Moment mal, mathematisch betrachtet wird es hier gerade schwierig.

In diesem Moment konnte ich allerdings noch nicht lachen. Da dachte ich eher: Mein lieber Freund, geh bitte einfach auf dein Zimmer. Es existiert. Ich schwöre. Ich habe es nicht gemalt.

Aber zwei Tage später fand ich es sehr lustig.

Weil es genau diese Art von Moment war, in dem jemand völlig recht hat und man trotzdem denkt: Hättest du das vielleicht auch morgen fragen können?

Und da musste ich sofort an meinen Mann denken.

Ich liebe diesen Menschen wirklich vom Mond und zurück, aber er besitzt eine besondere Gabe. Er erkennt zuverlässig den Moment, in dem ich etwas nicht ganz optimal mache. Ob ich an der Ampel ein paar Zentimeter zu weit vorne stehe, ob ich eine Reistüte so öffne, dass beim nächsten Griff vermutlich halb Indien in meiner Küchenschublade liegt, oder ob ich ein Messer benutze, das seiner Meinung nach für diese Aufgabe definitiv nicht vorgesehen war.

Und das Schlimme ist: Er hat meistens recht.
Aber das sogenannte Klugscheissen passt nicht in allen Momenten.

Ich weiß ja selbst, dass ich Reistüten manchmal öffne, als hätte ich persönlich etwas gegen Vorratsschränke. Ich weiß auch, dass man vieles eleganter, sauberer und sinnvoller machen könnte. Aber manchmal will ich einfach nur den Reis aufmachen. Nicht meine Technik reflektieren. Nicht meine Verpackungskompetenz optimieren. Einfach Reis. Topf. Fertig.

Und genau darum geht es, glaube ich, manchmal.

Nicht jeder richtige Hinweis kommt im richtigen Moment gut an.

Manchmal ist man nicht bereit für Mathematik, wenn die Eiswürfelmaschine streikt. Manchmal ist man nicht bereit für Verpackungskritik, wenn man Hunger hat. Und manchmal ist ein Klugscheißer gar nicht böse, sondern einfach nur jemand, der etwas sieht, was man selbst übersehen hat.

Das macht es nicht immer angenehmer.

Aber manchmal im Rückblick ziemlich lustig.

Gerade arbeite ich viel mit jungen Menschen zusammen, Praktikanten und Kollegen, die teilweise locker meine Kinder sein könnten. Und während ich bei Veranstaltungen schon an Plan B, Plan C, Toilettencheck, Aschenbecher, Cooling Station, Eiswürfel, Kabel, Wegweiser und die Frage denke, ob wirklich alle wissen, wo sie stehen sollen, schauen sie mich oft sehr entspannt an und sagen:

„Tina, das wird schon.“

Früher hätte mich dieser Satz wahnsinnig gemacht.

Heute finde ich ihn fast beruhigend.

Denn irgendwo zwischen meinem inneren Organisationsmonster und ihrer herrlichen Gelassenheit liegt wahrscheinlich die Wahrheit. Erfahrung ist wichtig. Manchmal sogar sehr. Es gibt Dinge, die weiß man erst, wenn man schon einmal bei 34 Grad eine Veranstaltung gerettet, eine Lieferung herbeitelefoniert oder eine Reistüte komplett falsch geöffnet hat.

Aber Leichtigkeit ist eben auch wichtig.

Dieses Vertrauen, dass nicht alles sofort schiefgeht, nur weil es theoretisch schiefgehen könnte. Dieses junge, schnelle, unkomplizierte Denken, das sagt: Wir googeln das, wir probieren das, wir kriegen das hin.

Früher stand der Lehrmeister vorne und erklärte, wie es geht. Heute schaut man sich ein YouTube-Video an, fragt jemanden, probiert es aus und merkt im besten Fall: Ach, so schwer war es gar nicht.

Und vielleicht ist genau das die schönste Mischung.

Die einen bringen Erfahrung mit. Die anderen Leichtigkeit.

Die einen fragen: „Hast du daran gedacht?“ Die anderen sagen: „Mach dich nicht verrückt.“

Und irgendwo dazwischen entsteht meistens ein ziemlich guter Plan.

Ich glaube, ich lerne gerade sehr viel von dieser jungen Generation. Nicht, weil sie alles besser weiß. Und ich auch nicht. Gott bewahre. Aber weil sie mich daran erinnert, dass nicht jede Situation ein Notfall ist, nur weil mein Kopf schon eine Excel-Liste dazu geschrieben hat.

Vielleicht dürfen wir uns alle ein bisschen weniger ernst nehmen.

Vielleicht darf man manchmal einen Hinweis geben und trotzdem merken, dass der andere ihn gerade nicht hören kann.

Vielleicht darf man recht haben und trotzdem freundlich bleiben.

Und vielleicht darf man auch einfach mal auf Zimmer 363 gehen, obwohl der Kreis eigentlich bei 360 endet.

Ich werde weiterhin Menschen brauchen, die mich auf Dinge hinweisen. Mein Mann wird weiterhin meine Reistüten beobachten. Junge Kollegen werden weiterhin sagen: „Tina, entspann dich.“ Und Gäste werden vermutlich auch weiterhin Fragen stellen, auf die ich innerlich erst zwei Tage später eine charmante Antwort finde.

Das Leben bleibt also spannend.

Und falls ihr irgendwann einmal bei uns im 360° ein Zimmer mit der Nummer 363 bekommt, macht euch keine Sorgen.

Es existiert wirklich.

Wir haben inzwischen mehrfach nachgesehen.

Und vielleicht ist genau das die gute Nachricht: Manchmal darf das Leben einfach drei Grad weitergehen, als es mathematisch vorgesehen war.

Der „Nach-160-Gäste-und-ab-auf-den-See“-Salat

Nachdem am Wochenende alle 160 Gäste glücklich verschwunden waren, durfte ich mit einer kleinen Gruppe selbst mit unseren SUPs raus auf den See.

Und danach wurde die Küche kurz mein Spielplatz.

Entstanden ist ein Salat, der so viel Wasser, Frische und Sommer in sich trägt, dass er gerade wirklich genau richtig ist.

Glasnudelsalat mit Ananas, Gurke, Halloumi & Wild Orange

Für 2 Personen

Zutaten:

  • 100 g Glasnudeln

  • ½ Gurke

  • ½ Zucchini

  • 3–4 Scheiben frische Ananas

  • 150 g Halloumi

  • 1 EL Sesam

  • frisches Basilikum oder Petersilie optional

Dressing:

  • Saft von 1 Limette

  • 1 EL Sojasauce

  • 1 TL Curry

  • 2 EL Olivenöl oder Sesamöl

  • 1–2 Tropfen Wild Orange Öl

  • Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung:

Glasnudeln nach Packungsanweisung ziehen lassen und kalt abschrecken.

Ananas, Zucchini und Halloumi in der Pfanne goldbraun anbraten. Gurke frisch würfeln oder in Streifen schneiden.

Alles mit den Glasnudeln vermengen, das Dressing darübergeben und mit Sesam toppen.

Frisch, leicht, wild orange – und perfekt für Tage, an denen der Körper einfach nach Wasser, Geschmack und Sommer ruft.


Manchmal beginnt dein ganz eigenes Abenteuer genau dort, wo es eigentlich gar nicht mehr logisch ist.
— Geh los
Tina Pantke